Langzeitstillen – wirklich so unnatürlich?

Langzeitstillen – wirklich so unnatürlich?

Langzeitstillen – Ist das eigentlich normal? Vor einer ganzen Weile wurde mir gesagt, dass es ja wirklich extrem sei, dass ich mein Kind mit seinen (damals) 22 Monaten noch stille. Diese Bekannte meinte, sie würde niemanden kennen, der das sonst noch tut. Nun ja, zum Glück kenne ich doch einige, die ihre Kleinkinder noch stillen, das erst einmal vorweg. Und das erleichtert mich schon sehr, befreit es mich doch ein wenig von meinem Alien-Dasein. Doch ist Langzeitstillen wirklich so extrem?

Was empfiehlt die Welt-Gesundheits-Organisation?

Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) empfiehlt  zunächst sechs Monate ausschließlich zu stillen.  Neben geeigneter Beikost weiter stillen bis zum Alter von 2 Jahren und darüber hinaus, solange wie Mutter und Kind sich wohlfühlen.

Langzeitstillen - Kleinkind bei seiner Mama an der Brust

Langzeitstillen – Ein Kleinkind trinkt bei seiner Mama und tankt Nähe und Sicherheit1

So, nun stille ich also meinen kleinen Stilljunkie und ich habe es nun wirklich noch NIEMALS erlebt, dass ich ihn an die Brust hätte zwingen können, wenn er nicht dran will. Nein, ganz im Gegenteil ist es doch eher so, dass er sich zum Teil selbst bedient und zwar ganz nach Bedarf, nämlich immer dann, wenn er das Bedürfnis danach hat.

Daraus schließe ich, dass es völlig normal und natürlich ist, ein Kind auch über den sechsten Lebensmonat hinaus zu stillen. Ganz im Gegenteil, es gibt Studien die belegen, dass das natürliche Abstillalter irgendwo zwischen zwei und sechs Jahren liegt und dieses wird von den Kindern selbst eingeleitet und zwar zu dem, für sie ganz individuellen und richtigen Zeitpunkt. Die AFS (Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen Bundesverband e.V.) hat hier2 einen interessanten Artikel mit vielen wissenschaftlichen Quellen zum Langzeitstillen verfasst. Und unter dem folgenden Link hat Utta Reich-Schottky bereits im Jahr 2002  etwas über das biologische Abstillalter3 geschrieben.

Langzeitstillen – Mamas brauchen einen dicken Pelz!

Ich möchte niemanden dazu animieren länger zu stillen, als er sich damit wohlfühlt. Was ich aber wichtig finde ist, dass die Vorurteile gegen stillende Mütter aufhören. Man braucht heute schon wirklich einen dicken Pelz, wenn man länger stillt, als andere Mütter. Es ist manchmal nicht leicht, die Blicke zu ignorieren oder die Frage “Du stillst IMMER noch” einfach abzutun und sich seinen Teil zu denken.

Ich bin feste davon überzeugt, dass jede Mama das Beste für ihre Kinder möchte. Und ich belehre niemanden diesbezüglich, was meine Auffassung von “dem Besten” ist. Aber ebenso erwarte ich auch, dass einfach akzeptiert wird, dass wir Langzeitstillen und dass wir dies auch wirklich gerne tun.

Ich genieße die Zeit mit meinem Kind. Sie ist wirklich schnell vorbei, bald wird er mir sagen, dass er jetzt gerade keinen Kuss möchte oder dass ich peinlich bin. Das einzige was ich tun kann ist, ihm heute alles mitzugeben, was ich für wichtig erachte. Und das ist ganz viel körperliche Nähe. Er soll geborgen groß werden und er hat alle Zeit der Welt sich in seinem Tempo zu lösen. Und für mich gehört neben dem Familienbetten, dem Tragen halt auch das Stillen absolut dazu. Stillen ist soviel mehr als nur Nahrung: Es ist Trost, Geborgenheit, Nähe, Kuscheln, Nuckeln und Bindung!

Mir ist wichtig, dass all jene Mütter, die zweifeln und sich verunsichern lassen von ihrem Umfeld, Folgendes wissen: Ihr seid völlig in Ordnung, so wie ihr seid! Und ihr gebt euer Bestes für eure Kinder! Ihr hört auf euren Instinkt, der euch sagt, dass es unnatürlich ist, ein Kind mit exakt sechs Monaten abzustillen, nur weil “man das halt so macht”. Und es ist nicht pervers, ekelhaft oder gar schädlich für euer Kind, wenn ihr es auch über den zweiten oder dritten Geburtstag hinaus stillt. NEIN! Es ist genau richtig und natürlich! Gebt euren Kindern das, was sie brauchen. Stillt ihre Bedürfnisse, egal ob es Hunger, Trost oder körperliche Nähe ist. Sie werden sich zu gesunden und selbstbewussten Kindern entwickeln, auch WENN sie mit fünf noch bei euch im Bett schlafen.

Ich habe übrigens hier4 eine ausführliche Seite zu den Vor- und Nachteilen des Stillens erstellt. Und hier5 erhältst du alle meine Angebote rund um das Stillen. Die beiden Bücher von Edith Zeller und Norma Jane Bumgarner, die ich unten verlinke, sind absolut lesenswert und sehr bedürfnisorientiert. Und wenn du manchmal gestresst bist oder dich überfordert im Umgang mit deinem Kind fühlst, dann lade ich dich herzlich ein, dir meinen kostenlosen Ratgeber 6 runterzuladen. Er gibt dir hilfreiche Tipps, wie du im Umgang mit deinem Kind entspannt bleiben kannst. Auch beim Stillen :)

Zu guter Letzt: Es ist alles gut! Genießt das Leben mit euren Kindern  und auch das Langzeitstillen! Ach und übrigens…der Artikel ist schon etwas älter und ich habe ihn gerade überarbeitet: Mein Sohn ist mittlerweile 33 Monate alt und wir stillen immer noch und sind sehr glücklich damit :)

Alles Liebe, eure Kira!

Empfohlene Literatur

“Busi” sagt Henriette – Eine Geschichte vom StillenWir stillen noch

Quellen

 

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  1. Foto von Katsiaryna Drobysheva
  2. Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen: Stillen bis der Schulbus kommt
  3. Reich-Schottky, Utta, 2002: Das biologische Abstillalter
  4. Kira Schlesinger: Soll ich mein Baby stillen?
  5. Kira Schlesinger: Stillberatung rund ums Tal
  6. Kira Schlesinger: Kostenloser Ratgeber “5 einfache Schritte für weniger Stress und Überforderung im Umgang mit deinem Kind